Private Sicherheit: Wachstum ohne Grenzen?

Sicherheit in Deutschland

Die Rolle von privaten Sicherheitsdiensten in der Sicherheitsarchitektur Deutschlands ist ein Thema, was seit der Flüchtlingskrise 2016 wieder brandaktuell ist. Die privaten Sicherheitssektoren profitierten in diesem Jahr mit einem Umsatzzuwachs von über 20% stark. Doch auch weiterhin ist die Nachfrage groß, sowohl bei Privat- als auch bei öffentlichen Kunden. „Die alten Maßstäbe haben einfach keine Gültigkeit mehr. Was läge also näher bei dieser Gefährdungslage, als über eine wirkliche strategische Partnerschaft zwischen privaten Sicherheitsdienstleistern und Polizei – wie sie in anderen Staaten Europas durchaus üblich ist – zu diskutieren?“ – BKA Präsident Jörg Ziercke Mit diesem Satz auf der Jahrestagung des BDSW wurde die Debatte um die Positionierung privater Sicherheitsdienstleister im Gesamtgefüge neu angeheizt. Die starke Beanspruchung der Branche wegen der Flüchtlingskrise sorgte für eine weitreichende Neuregulierung der Branche und für eine extreme Nachfrage.

Das Wachstum ist da

Obwohl sich in Deutschland seit 1980 die Mitarbeiterzahlen im privaten Sicherheitssektor fast verzehnfacht haben, liegt man immer noch im europäischen Mittelfeld. Gerade in England oder in Osteuropa ist man da schon viel weiter. Doch gerade der massiv gesteigerte Bedarf seit 2016 zeigt noch immer Wirkung. Denn Asylheime müssen doppelt geschützt werden. Von außen müssen die Bewohner gegen Übergriffe geschützt werden, denn Straftaten gegen Asylunterkünfte haben sich in den letzten Jahren mehr als verfünffacht. Von innen geht es darum, das sichere und friedliche Zusammenleben von vielen ethnischen Gruppen und Bevölkerungsgruppen zu schützen. Diese doppelte Sicherheit ist vor allem durch private Sicherheitsdienste gewährleistet worden. Auch wenn Polizisten im Einsatz waren, wurde in der Regel anderweitiges Sicherheitspersonal involviert. Auch weil die reine Betreuung durch Polizei rein finanziell und personell nicht realistisch/möglich gewesen wäre. Ein weiterer Ansatz waren sogenannte “Wachpolizeien”, die kurzfristig, durch eine stark abgespeckte Ausbildung, einsatzfähig sein sollten. Diese sind aber im Vergleich zu fast 30.000 neu eingestellten Sicherheitsmitarbeitern zu vernachlässigen. Doch obwohl diese Zahl sehr utopisch scheint, wurden 2016 immer noch 13.000 unbesetzte Stellen gemeldet.

Die Qualität steigt

Auch wenn die Flüchtlingszahlen seitdem gesunken sind, wurde doch der private Sicherheitssektor dauerhaft gestärkt. Dies belegen auch die weiter gestiegenen Beschäftigungszahlen der letzten Monate. Auch könnten stärkere Kooperationen von Staat/Polizei mit den privaten Sicherheitsdiensten den Weg für eine starke Zukunft ebnen. Auch weil in letzter Zeit staatlich viel dafür getan wurde, dass private Sicherheit neue Qualitätsstandards erhält. So wurde 2016 die Sachkundeprüfung §34a für jeden Gewerbetreibenden Pflicht. Auch Schlüsselpositionen bei kritischen Aufträgen erfordern jetzt diese Sachkundeprüfung. Die Backgroundchecks wurden verschärft und müssen nun alle fünf Jahre wiederholt werden, bei sensiblen Einsätzen sogar öfter. Möglich gemacht wird das alles durch Daten des neu erschaffenen Bewachungsregisters, dass künftig alle Personen erfassen soll, die in der Branche tätig sind.